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Kündigung wegen Beleidigung auf Whatsapp

Immer wieder haben wir in unserer alltäglichen Beratungspraxis mit Sachverhalten zu tun, bei denen es um ehrverletzende Äußerungen und Bilder geht, die mit einem Messenger-Dienst verbreitet wurde (z. B. WhatsApp, Viber).

Was passiert jedoch, wenn diese Inhalte an Dritte weitergleitet werden, z. B. an den Arbeitgeber?

Beleidigt man seinen Arbeitgeber, Kollegen oder tätigt fremdenfeindliche Äußerungen am Arbeitsplatz, stellt dies einen erheblichen Verstoß gegen die vertraglichen Pflichten zur Rücksichtnahme gem. § 241 BGB aus dem Arbeitsverhältnis dar und kann einen wichtigen Grund für eine außerordentliche Kündigung an sich bilden.

Jedoch hat bereits das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einer Entscheidung 2009 dargelegt, dass bei der rechtlichen Würdigung die Umstände zu berücksichtigen sind, unter denen die betreffende Äußerung gefallen ist. Geschah dies im Rahmen einer emotional geprägten Auseinandersetzung, vermögen sie eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht ohne Weiteres zu begründen.

Vertrauliche Äußerungen unterfallen dem Schutzbereich des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.

In einem Sachverhalt, der dem LAG Rheinland-Pfalz 2015 vorlag, wurde von dem später gekündigten Mitarbeiter per SMS einer Kollegin gegenüber geäußert, der Chef sei und bliebe ein „autistisches krankes Arschl…“.

Diese SMS wurde von der angeschriebenen Mitarbeiterin an den besagten „Chef“ weitergeleitet, der sodann eine fristlose Kündigung aussprach.

Das Arbeitsgericht Mainz hatte erst 2017 Verfahren zu entscheiden, in dem vier Mitarbeiter in ihrer eigenen WhatsApp-Gruppe fremdenfeindliche Äußerungen tätigten und entsprechende Bilder teilten. Die Arbeitgeberin erlangte hiervon Kenntnis und kündigte den vier Mitarbeitern fristlos.

Alle Verfahren sind zugunsten der gekündigten Mitarbeiter ausgeurteilt worden. Die Kündigungen waren in allen Fällen unwirksam (z. B. ArbG Mainz, Urteil vom 15. November 2017 – Az.: 4 Ca 1240/17).

Vertraulichkeit des Wortes auch innerhalb einer (überschaubaren) „Gruppe“

Werden diffamierende, ehrverletzende oder fremdenfeindliche Äußerungen nur in einem vertraulichen Gespräch oder einer überschaubaren WhatsApp-Gruppe abgegeben, so kann unter Umständen die außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses ebenso wie die ordentliche Kündigung nicht gerechtfertigt sein. Die vertrauliche Kommunikation in der Privatsphäre ist Ausdruck der Persönlichkeit und grundrechtlich gewährleistet. Der Arbeitnehmer darf regelmäßig darauf vertrauen, seine Äußerungen werden nicht nach außen getragen und der Betriebsfrieden nicht gestört und das Vertrauensverhältnis nicht zerstört.

Das BAG ist bereits 1965 davon ausgegangen, dass derartige Äußerungen, sofern sie im Kollegenkreis erfolgen, in der sicheren Erwartung geschehen, dass sie nicht über den Kreis der Gesprächspartner hinaus dringen werden.

Hebt jedoch der Gesprächspartner oder ein Teilnehmer der Gruppe die Vertraulichkeit auf, geht dies rechtlich grundsätzlich nicht zulasten des Arbeitnehmers. Selbst wenn es dem Arbeitnehmer anzulasten wäre, muss der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet werden. Beruht die Vertragspflichtverletzung auf einem steuerbaren Verhalten, kann davon ausgegangen werden, dass durch die Androhung von Folgen für den Bestand des Arbeitsverhältnisses sein zukünftiges Verhalten positiv beeinflusst werden kann. Unter Beachtung des im Arbeitsrecht geltenden Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes kann bei einem solchen Verhalten zumindest der Ausspruch einer Abmahnung gerechtfertigt sein.

Abweichend wären allerdings die obigen Sachverhalte zu bewerten, wenn der Arbeitnehmer die Vertraulichkeit des „Gesprächs“ selbst aufhebt (z. B. durch das Posten der ehrverletzenden Äußerungen auf die Pinnwand bei Facebook, auf die auch betriebszugehörige „Freunde“ Zugriff haben), sodass die Gelegenheit für Dritte, seine Äußerungen wahrzunehmen, ihm zurechenbar wird (ArbG Hagen (Westfalen), Urteil vom 16. Mai 2012 – Az.: 3 Ca 2597/11).

Tipp:

Als Arbeitnehmer sollte man sehr vorsichtig sein, welche Inhalte per SMS, WhatsApp etc. verschickt und in Gruppen diskutiert werden. Arbeitsrichter haben hier auch schon darauf verwiesen, dass aufgrund der Möglichkeit des „Teilens“ niemand sich auf die Vertraulichkeit und die überschaubare Größe der Gruppe verlassen dürfe. Mit nur einem „Klick“ erfahren unzählige Kontakte von dem brisanten Inhalt. Deswegen brisante Themen über den Arbeitgeber oder Kollegen lieber nicht über soziale Medien/Messenger-Dienste besprechen.

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